Senor Herreras blühende Intuition

Linus Reichlin

Die Sache lief endgültig aus dem Ruder, als Señor Herrera in seinem deutlich zu klein gewordenen Matador-Gewand vor dem Gatter eines kräftigen schwarzen Stieres stand. Denn er war partout nicht davon abzubringen, Leo Renz – Schriftsteller und momentan Herreras Gast – leibhaftig in die Kunst des Stierkampfes einzuführen. Und bei einer Corrida ist das Stören des Stieres unvermeidlich. …

 

Dabei hatte sich Renz eigentlich mit der Absicht in ein abgelegenes andalusisches Kloster zurückgezogen, eine möglichst allumfassende Langeweile zu durchleben. Sein Herz benahm sich seit geraumer Zeit selbst wenn er schlief, als müsse er gerade über ein Minenfeld flüchten. Da schienen so ein Retreat im Schweigekloster und ein bisschen Yoga gerade das richtige. Ausserdem, da war er sich sicher, würde die minimale Ereignisdichte zu einem maximalen Kreativitätsschub führen. Und vielleicht sogar die Arbeit an seinem Roman voranbringen.

 

Allerdings hatte er die Rechnung ohne Señor Herrera gemacht, den Koch und Gästeverwalter. Denn schon an seinem ersten Abend lieferte Herrera seinem übrigens einzigen Gast im Zitronengarten des Klosters eine Reihe von Indizien dafür, dass an Schwester Ana Maria irgendwas faul sei. Und plötzlich muss sich Renz eines ziemlich üblen Verdachts erwehren: Denn auch in seinem Roman geht es um eine Nonne mit Doppelleben …

 

"Der Roman ist ungemein witzig geschrieben, hat aber immer auch zarte Stellen, dann, wenn er von Schriftstellern und ihren Lebenswahrheiten erzählt … man lacht sich wirklich schlapp."

Buch
Nr: 32479
Zugang:  12.03.2021
ISBN:  978-3-86971-227-7
Verlag: Galiani, 2021
Kategorie: Erwachsene
Signatur: reich